21.02.2019: Wetter können wir nie ganz voraussagen

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Janin Meiritz
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    Zukunftsforscher Matthias Horx:
    Wetter können wir nie ganz voraussagen

    Wie lange dauert eine Ehe? Wer wird nächster Fußball-Weltmeister? Wie entwickelt sich die Weltbevölkerung? Wann fahren Autos ganz alleine? Welches Wetter haben wir in drei Wochen?

    Deutschlands einflussreichster Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx führte seine Zuhörer beim INNO-Talk des hit-Technopark gleich zu Beginn in die unbekannte Welt der Prognosen. In der Glaskugel könne er noch nicht lesen, widersprach er der launigen Eröffnung von Gastgeber und Geschäftsführer Christoph Birkel, doch Vieles könnte man wissenschaftlich begründet prognostizieren. Überraschend für die 150 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft: Eine Ehe sei am leichtesten vorauszusagen. Amerikanische Wissenschaftler könnten nach einem Gespräch mit einem Ehepaar nach nur 20 Minuten zu 90 Prozent beurteilen, welche Zukunft ihre Ehe habe. „Es wird Sie allerdings nicht verwundern“, sagte Matthias Horx, „dass die Forscher nur sehr wenige Kunden haben.“ Auch die Entwicklung der Weltbevölkerung sei erforscht, sie werde – im Gegensatz zu vielen Krisenszenarien - in rund 50 Jahren bei 10,2 Milliarden Menschen stoppen und zurückgehen. „Was wir dagegen nie voraussagen sagen können, ist das Wetter in drei Wochen“, ergänzte der 63-jährige Gründer des wichtigsten futuristischen Think-Tanks, dem Zukunftsinstitut mit Sitz in Frankfurt und Wien.

    Zwölf Megatrends haben die Wissenschaftler ermittelt, die sie seriös erforschen. An einigen Beispielen wie Globalisierung, Individualisierung oder Digitalisierung erklärte Horx, wie sie sich nicht linear, sondern in Schleifen fortbewegen. Häufig von Angst und Gier getrieben, aber immer an die veränderten Bedingungen angepasst. „Jeder Trend erzeugt einen Gegentrend.“ Aus Globalisierung werde beispielsweise Glokaliserung, der Wunsch nach Heimat, Verwurzelung und Nationalismus. Letzterer werde allerdings auf lange Sicht keine Zukunft haben, da sich die wirtschaftlichen Cluster nicht in nationalen Regionen, sondern über Grenzen hinweg entwickelten.

    Aus Individualisierung werde heute eher Kooperation. Wir arbeiteten immer häufiger in Coworking-Einrichtungen, bestellten wie in Berlin-Tempelhof Gemeinschaftsgärten oder bildeten Co-living-Partnerschaften, mit Gleichgesinnten, Kollegen, oft über Generationen hinweg.

    Ein wichtiges aktuelles Thema für den Zukunftsforscher ist natürlich alles, was unter das Schlagwort Digitalisierung fällt. Man müsse keine Angst vor den Maschinen haben. Sie werden die Menschen nicht übernehmen und ihnen auch die Jobs nicht wegnehmen. Ganz im Gegenteil, sagt der Experte, durch Computer bekämen die Menschen mehr Freiheit, ihre ureigenen menschlichen Fähigkeiten einzusetzen. „Die Künstliche Intelligenz hat bereits heute rund 1.000 neue Berufe geschaffen“, rechnete Matthias Horx vor, „in Deutschland gibt es bei Facebook allein 3.500 Hassmoderatoren.“ Der Mensch sei analog und werde es bleiben, meinte der Zukunftsforscher abschließend, es gäbe weiterhin Bücher und Bibliotheken und sogar die Vinylschallplatte habe überlebt.

    Der INNO-Talk endete mit einer langen Frage- und Antwortstunde zu den Themen Medien, Banken und Wetter und mit anregenden Gesprächen beim Abendessen.