31.10.2012: Abendstimmung und andere Beziehungskisten

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Janin Meiritz
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  • Sechs Künstler sind im neuen Ausstellungszyklus

Der Titel der neuen Ausstellungsreihe im hit-Technopark, „Kunst verbindet ... und schafft Beziehungen“, hebt zunächst die Verbindung von mindestens zwei Antipoden hervor und betont damit auch das Beziehungsgeflecht aller Dinge. Ausgehend von der Paarbeziehung, wie sie vor allem in den Gemälden von Wolf Henry Gentsch, der den Schwerpunkt seiner Arbeit darin sieht, das „Unsichtbare sichtbar zu machen“, erkennbar wird, entwickelt sich das Thema, das nicht erst seit „Harry und Sally“ für Diskussionen sorgt, ungehemmt weiter.

Ungezählte Aphorismen, eine plakative und skurrile Bildauswahl bei Google und jetzt die Reflektion der ausstellenden Künstlergruppe im hit-Technopark macht die Vielfalt der Interpretationen und Deutungsmöglichkeiten offenkundig. Das kontrastierende Beziehungsgeflecht der Skulpturen von Thomas Werner zeigt sich unmissverständlich bei den großen Skulpturen im Außenbereich, die in Form und Material – flach und hoch, Granit und Stahl – gegensätzlicher nicht sein könnten und gerade deshalb in einer engen Beziehung, wie ein Paar, zueinander stehen.

Die Assoziation von „Beziehung und Paar“ findet sich auch in den Fotomontagen von Margot Berghaus, deren witzige Tier-Mensch-Paare eine eigene, charakteristische und surreale Bildsprache entwickeln und Projektionsflächen für unsere Sehnsüchte und Träume anbieten. Dabei verwischt die Annahme von künstlerischer Urheberschaft und Individualismus und erweitert sich zu einem kreativen Prozess, der nicht mehr darin liegt, Bilder, wie Albrecht Dürer oder Leonardo da Vinci, zu erfinden. Margot Berghaus nutzt das Vorhandene und findet so von einem Malkonzept zu einem Entscheidungs- und Entwicklungskonzept.

Mit einer Reduktion der Formen und Farbgruppen nähert sich Halina Bober dem Thema. Ihre großformatigen Bildgruppen sind dem Geist der informellen Malerei verbunden und lassen an den philosophischen Ansatz von Friedrich Nietzsche denken, der den „Grund aller Dinge in der ewigen Wiederkehr des Gleichen mit ihrer Sinnlosigkeit“ sah. Formen, die wie Versatzstücke ihre Positionen in den Bildern verändern, wiederholen sich und treten zueinander in Beziehung.

Auf schwarzem Velourspapier gemalt und mit einer ausgefeilten Mischtechnik führt Elena Steinke uns mit ihren Bildern zurück zum Anfang der Beziehungsgeschichten, dem Paar, das sich in dem jeweiligen Gegenüber spiegelt und abbildet und dabei für sich autark in Beziehung zu anderen steht.

Der Verbindung und Weiterführung des Themas in übergeordnete Zusammenhänge nimmt sich Christian Beier an, dessen Holzschnitte in ihrer dokumentarischen Wirkung unmittelbare Bezüge zur Realität herstellen und weiterentwickeln. Die Evolution von der Person zum Paar, zur Gruppe und korrespondierend dazu Titel wie „Protest und Widerstand“, „Aufstand der Empörten“ usw. eröffnen provozierende Einblicke in vorhandene Beziehungen und schaffen ernüchternde Visionen und künstlerische Ausblicke auf gesellschaftliche Verhältnisse, die täglich erlebbar sind.

      Renate Selinger-Barber M.A.

 

Künstler-Porträts 2012/2013 in der Reihenfolge der Einzelausstellungen

Elena Steinke

Malerei

14.01. – 01.03.2013

Nach ihrer Ausbildung mit Diplom in angewandter Kunst konzentrierte sich Elena Steinke in ihrer Heimat Kaliningrad, dem früheren Königsberg, auf das Gebiet der textilen Gestaltung. Erst Ende der 90er-Jahre konnte sie nach Abbau der staatlichen Einschränkungen ihre Malerei und Collagen auf einer ersten eigenen Ausstellung zeigen. Die Künstlerin lebt und arbeitet seit 2001 im nordfriesischen Breklum. In ihren Werken spürt man trotz aller abstrakter Anmutung immer wieder die Wurzeln traditioneller russischer Ikonenmalerei.

 

Halina Bober

Malerei

und

Thomas Werner

Bildhauerei

04.03. – 03.05.2013

Für eine gemeinsame Einzelausstellung im hit-Technopark haben sich die Malerin Halina Bober und der Bildhauer Thomas Werner gefunden. 

Halina Bober stammt aus dem polnischen Gleiwitz in Schlesien, studierte grafische Gestaltung in Krakau und hat sich seit 1981 in Hamburg der informellen Malerei verschrieben. Dem Betrachter eröffnet sich ein abstraktes Spannungsgeflecht von Linie, Fläche, Figur und Farbe, wer in die Tiefen eintaucht, kann bisweilen Andeutungen einer menschlichen Anwesenheit erahnen. Leben, das sich immer wiederholt, in Kreisformen charakterisiert.

Thomas Werner, für seine Skulpturen mit dem Preis der Stadt Bremervörde ausgezeichnet, wurde im Schwarzwald geboren, machte in Bochum eine Banklehre, ehe er sich für ein Bildhauerstudium in Bonn entschied. In Hamburg und seit 2002 in Stade machte er sich einen Namen mit zum Teil riesigen Skulpturen aus Stein und Stahl. Direkt neben seinem Atelier hat er einen eigenen Skulpturengarten angelegt.

 

Wolf-Henry Gentsch

Malerei

06.05. – 05.07.2013

Das Unsichtbare sichtbar zu machen, sozusagen die vierte Dimension hinter dem Augenscheinlichen – das ist das verbindliche Element der Arbeiten von Wolf-Henry Gentsch. Der aus Pasewalk stammende Maler lebt und arbeitet seit 2000 in Hamburg und lässt seine Protagonisten auf der Leinwand in ganz alltäglichen und manchmal auch eindeutigen Situationen agieren, zwanglos und auf sich selbst fixiert. Der Betrachter dringt in diese Intimität ein und wird ungewollt zum Voyeur.

 

Christian Beier

Holzschnitt und Malerei

08.07 – 30.08.2013

Der Grafiker und Maler Christian Beier, in Ostpreußen geboren, in Hameln aufgewachsen und als Künstler 1994 in Hamburg sesshaft geworden, hat sich in dieser Gemeinschaftsausstellung ganz auf Holzschnittarbeiten in Schwarz-Weiß konzentriert. Der harte Kontrast verdeutlicht die politischen Konfliktpotenziale in seinen Protest- und Widerstandsbildern, die Finanzkrisen und Finanzpleiten, Aufstände der Jugend im arabischen Raum aber auch Aufstände der Empörten bei uns thematisieren.

 

Margot Berghaus

Fotomontage

02.09. – 18.10.2013

Mensch und Tier, Tier oder Mensch – Margot Berghaus hat sich einem ganz eigenen Kunst-Genre angenommen. Die frühere Professorin für Medien- und Kommunikations-
wissenschaft an der Universität Mannheim lebt und arbeitet seit 2007 als freischaffende Künstlerin in Hamburg mit ungewöhnlichen Selektionen der Evolution. Ihre realistisch-surrealen Mischwesen, in Fotomontagen und Versatzstücken aus Zeichnungen und Übermalungen in Öl kreiert, versteht die Künstlerin als Projektionsflächen für Träume, Sehnsüchte und menschliche Schwächen.