Kleidermammer: Sozialarbeit im Doppelpack


    Im hit-Technopark sortieren 25 Langzeitarbeitslose gesammelte Kleidung, die in Hamburger
    Kirchengemeinden an bedürftige Menschen, Obdachlose und Flüchtlinge abgegeben wird.

     Der kleine Rollwagen mit Gittern an den vier Seiten ist vollgepackt mit Hosen, T-Shirts, Röcken, Pullovern und Unterwäsche. Zwei Frauen rollen ihn zum Fahrstuhl des Zentralgebäudes im hit-Technopark. Ihr Ziel: Die Kleiderkammer eine Treppe höher – ein neuer Mieter. Die Kleiderkammer gehört zur Passage gemeinnützige Gesellschaft für Arbeit und Integration mbH und ist ein soziales Projekt, das in Wilhelmburg seit 30 Jahren langzeitarbeitslose Menschen, derzeit 50 Frauen und Männer sowie Menschen mit Behinderungen, beschäftigt. Seit einigen Wochen sortieren weitere 25 MitarbeiterInnen im hit-Technopark, Tempowerkring 6, gebrauchte Kleidungsstücke nach Qualität und Größe, die zuvor in insgesamt 130 Spezialcontainern eingesammelt worden waren.

    „Wir besitzen drei Lkw und vier Transporter, mit denen die Kleidung von den Sammelstellen abgeholt wird, die alle auf Kirchengelände aufgestellt sind,“ sagt Norbert Meiburg, seit fast 20 Jahren Betriebsleiter der Kleiderkammer. Ausgewählt werden die monatlich 80 Tonnen Textilien zuerst nach Damen-, Herren- und Kindermode, nach Ober- oder Unterwäsche und Schuhen. Man kooperiert auch mit H&M und anderen Textilanbietern, die der Kleiderkammer neuwertige Ware spenden, die mit minimalen, kaum zu sehenden Fehlern in den Ladengeschäften jedoch nicht verkäuflich sind.

    Die Kleiderkammer und Passage leisten Sozialarbeit im Doppelpack: Benachteiligte Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt wenig Chancen haben, werden integriert, qualifiziert oder können auch Schulabschlüsse nachholen. Wer längere Zeit keinen Arbeitsplatz hat, erhält mit einem Ein-Euro-Job – ausgezahlt werden derzeit 1,60 Euro pro Stunde – die Möglichkeiten, den Kontakt zur Arbeitswelt nicht zu verlieren und ein würdiges Leben zu führen. Die Menschen erhalten wieder eine Tagesstruktur – und werden gebraucht. Meiburg: „Viele leben hier förmlich auf und sind traurig, wenn sie nach zwei Jahren gehen müssen.“ Mit ihrer Arbeit in der Kleiderkammer helfen sie in dieser Zeit gezielt anderen benachteiligten Menschen sowie Flüchtlingen und Asylbewerbern, die sich neue Kleidung sonst nicht leisten könnten. In den 18 Ausgabestellen der Hamburger Kirchengemeinden erhalten Bedürftige gegen eine kleine Spende praktische aber auch schicke, aktuelle Outfits. Obdachlose bekommen die Kleidung gratis.

    www.passage-hamburg.de