SIMUFACT



Über 20 Jahre im hit-Technopark, von drei auf 50 Mitarbeiter angewachsen – mit der Simulation von Fertigungsprozessen wurde Simufact zum Global Player.

 

Die Exoten mit der Simulationssoftware

Ausprobieren und Testen ist eine langwierige Angelegenheit – und eine teure dazu. Warum dann nicht die Fakten simulieren? fragten sich die beiden Maschinenbau-Ingenieure Michael Wohlmuth und Dr. Hendrik Schafstall. Die Erprobungsphase aus dem Betrieb in den Computer verlagern und damit viel Zeit und noch mehr Geld sparen. Aus dieser damals eher belächelten Idee entwickelte sich das erfolgreiche internationale Softwarehaus Simufact, das 1995 – damals noch als FEMUTEC Ingenieurgesellschaft – auf zwölf Quadratmetern im hit-Technopark als Start-up begann. Nach sechs Umzügen innerhalb des Parks auf inzwischen 800 Quadratmeter in Haus 19 gewachsen, begeht Simufact im nächsten Jahr sein 20-jähriges Jubiläum.

„Angefangen hat alles in Tempowerkring 1 mit zwei Ikea-Schreibtischen“, erinnert sich der gebürtige Karlsruher Wohlmuth, „wir hatten ein Dreivierteljahr Zeit, um für den amerikanischen Weltmarktführer für Computer Aided Engineering (CAE) eine damals eigentlich unmögliche 3D-Abbildung zu entwickeln.“ Und Wohlmuth, Schafstall und ihr erster Angestellter Peter Kraft schafften es tatsächlich und erhielten einen ersten Vertrag. Mit weiteren Neuentwicklungen made in hit-Technopark machte sich die junge Firma schnell einen Namen und wurde exklusiver Vertriebspartner von MSC Software für den deutschsprachigen Raum. Ende 2006 übernahm man dann den gesamten Geschäftsbereich Fertigungssimulation von MSC - die Geburtsstunde des Softwarehauses, das sich seit 2008 „Simufact Engineering“ nennt. Anstelle von Blau und Grau, so wie die meisten Unternehmen aus der Stahlindustrie und dem Maschinenbau, wählte Simufact Rot und Schwarz als Firmenfarben. Die Idee zu dieser Farbkombination entstand in einer Segafredo-Cafeteria im ICE-Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe. „Wir waren eben Exoten. Doch unsere schwarzen Polohemden mit der roten Schrift waren der Hingucker auf den Fachmessen in Düsseldorf“, sagt Michael Wohlmuth – und Simufact der Renner. Inzwischen hat sich das Unternehmen mit seinen Softwareprodukten zur Optimierung der Fertigung durch die Simulation der Prozesse zu einem Global Player entwickelt. Nach Deutschland ist Japan mit ca. 20 Prozent Umsatzanteil der zweitstärkste Markt, aber auch Brasilien, USA, China und Indien sind stark wachsende Absatzmärkte. Mit zwei Auslandstöchtern, der US-amerikanischen Simufact-Americas LLC,  der Simufact India in Bangalore, und einer gerade eröffneten Japan-Vertretung in Tokio, ist Simufact international auf Erfolgskurs. Auch in Deutschland wächst „Simufact“ ständig. Aus den drei Mitarbeitern von 1995 sind 50 geworden, davon über 35 Softwareentwickler und Ingenieure. Neben dem Hauptsitz im hit-Technopark gibt es ein Ingenieurbüro in Kassel und ein Vertriebsbüro in Marburg.

Auch künftig wird Simufact weitere neue Fachkräfte einstellen. Denn zusätzlich zur Umformtechnik mit knapp 500 Kunden aus Industriezweigen wie Fahrzeug-, Schiff- oder Flugzeugbau, die rund 90 Prozent des Umsatzes ausmachen, setzt man gezielt auf eine neue Produktlinie für die Schweißtechnik. „Hier sind wir die Pioniere, die jedes geschweißte Bauteil simulationstechnisch dokumentieren könnten“, sagt Wohlmuth. Wenn dieses Vorgehen bei VW und Audi, BMW oder Porsche einmal Standard in der Fertigung sind, werden auch die letzten leeren Schreibtische im Tempowerkring 19 besetzt sein.