GL-Prüflabor GmbH: Ingenieure wandeln auf den Spuren von Sherlock Holmes


    Manchmal dringt etwas Lärm durch die Rolltore am Tempowerkring 11 in Hamburg. Es hört sich nach Hämmern und Sägen an, Geräusche wie in einem Metall verarbeitenden Betrieb. So etwas Ähnliches macht der Mieter auch im hintersten Eck des hit-Technopark, dem mit 100 kleinen und mittelständischen Unternehmen einzigen privaten Technologiezentrum Hamburgs. Die berühmte Was-bin-ich-Frage, ob man mit der Herstellung oder Verbreitung beschäftigt sei, muss allerdings mit Nein beantwortet und das Schweinderl mit einem Fünfer gefüttert werden. Die GL-Prüflabor GmbH testet und analysiert als Dienstleister Werkstoffe und erstellt Schadensanalysen. In Zeiten weltweiter Produktionsstandorte mit unterschiedlichsten Qualitätsstandards sind die Auftragbücher gut gefüllt.

    „2011 erwarten wir aus 25.000 Aufträgen einen Umsatz von acht Millionen Euro“, sagt Manfred Feyer, der promovierte Ingenieur und Geschäftsführer, „unsere Kunden stammen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, der Werkstoffherstellung sowie aus dem Automobil- und Schiffbau.“ Die GL-Prüflabore mit vier deutschen Standorten in Mülheim, Herne, Stuttgart und seit 2006 auch in Hamburg gehören zum Germanischen Lloyd, der seit 1867 für technische Sicherheit in der Seefahrt sorgt und seine Ingenieurdienstleistungen inzwischen auch auf die Sektoren Öl, Gas und alternative Energien ausgedehnt hat. In den GL-Laboren sind 80 Mitarbeiter, davon 17 Ingenieure, mit den Werkstoffprüfungen befasst. „Werkstoffprüfer ist sogar eine anerkannter Lehrberuf“, sagt Manfred Feyer und fügt ein wenig stolz hinzu, dass sein Unternehmen auch Auszubildende im hit-Technopark Hamburg und an den anderen Standorten beschäftige. 

    Für die Prüfungen der Werkstoffe auf Basis internationaler Normen wurde am Tempowerkring unter anderem eine Werkstatt zur Probenfertigung eingerichtet, in der Komponenten mit einem Gewicht von bis zu drei Tonnen gehandhabt werden können. Außerdem verfügen die Prüfingenieure über komplett ausgestattete Laboreinrichtungen für zerstörende und nicht zerstörende Prüfungen, Korrosionsversuche, Metallografie, Lichtmikroskopie, Rasterelektronenmikroskopie und Röntgen-Mikroanalyse. Werkstoffeigenschaften wie Festigkeit, Zähigkeit oder Härte, die die Gebrauchseigenschaften von Bauteilen oder Maschinen maßgeblich beeinflussen, werden hier tagtäglich zu Hunderten ermittelt.

    Neben der Routinewerkstoffprüfung, bei der der Kunde gemäß seinem speziellen Wunsch die Ermittlung dieser Werkstoffkennwerte in Auftrag gibt und zeitnah als dokumentierte Ergebnisse erhält, stellt die Schadensanalyse das andere Standbein des Dienstleistungsangebotes der Labore dar.

    Letzteres hat sehr viel mit kriminalistischem Spürsinn zu tun – die Ingenieure vom Gemanischen Lloyd Prüflabor wandeln hier auf den Spuren von Sherlock Holmes. Geschäftsführer Feyer nennt diese detektivische Tätigkeit gern „technische Pathologie“, da hier der Werkstoff als Datenträger des Schadens fungiert und ihm im Labor die Geschichte seines Versagens entlockt werden kann.

    Von welch gewaltigem Nutzen eine Schadensuntersuchung sein kann, verdeutlicht Manfred Feyer an einem Beispiel aus der Schiffstechnik. Bei nur kurz in Betrieb befindlichen Containerschiffen einer Baureihe kam es gehäuft zum Bruch der sogenannten Laschstangen. Hierbei handelt es ich sich um Befestigungsstangen, die die Container der unteren Ebenen an Deck untereinander verbinden und somit dem Aufbau der Ladung erst die notwendige Festigkeit geben. Eine Materialuntersuchung im Prüflabor ließ erkennen, dass unsachgemäße Fertigungsschweißungen als Ursache für das Versagen eindeutig identifiziert werden konnten. Der Eigner erhielt für alle betroffenen Schiffe neue Laschstangen im Wert von mehr als 500.000 Euro als Ersatz. Der Preis für die Untersuchung betrug nur einen Bruchteil dieser Summe –wahrlich gut investiertes Geld.

    www.gl-group.com