AUSSTELLUNG: Schönheit wird die Welt retten

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Renate Selinger-Barber M.A.
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Kuratorin

    07.01. - 01.03.2019

    Schönheit wird die Welt retten

    "Schönheit wird die Welt retten" – der Satz oder Wunsch Fjodor Dostojewskis, den er einbaute, zweite Hälfte, 19. Jahrhunderts, in seine Geschichte des Fürsten Myschkin, den Roman, den er hastig, in nur drei Jahren, zwischen Genf und Mailand niederschrieb, dieser großartige Satz hat gleichsam eine eigene Karriere gemacht. Denn dass Schönheit – und damit die Kunst – die Welt retten könnte, dieser Wunsch-Satz ist schon in sich von poetischer Schönheit und Rundung, wie eine gemalte Wolke, eine Kulissenwolke aus dem Weihnachtsmärchen oder aus dem Kindertheater. Für Künstler, die wir uns auf Schönheit, Bedeutung, Aussage verlegt haben, ist der Satz besonders verführerisch, denn er gibt uns Wichtigkeit – aber erlegt auch Verantwortung auf. Große Verantwortung! Die Welt retten! Und hat die Welt es nicht verdammt nötig, gerettet zu werden? 

    Aber geht das? Und so sind wir bei der Frage, was Kunst bewirken kann, was Kunst sein kann, heute, jetzt.

    Vielleicht ist etwas Vorsicht angebracht. Vielleicht ist es klug, etwas Bescheidenheit walten zu lassen. Auf dem Dampfer, auf dem die Menschheit fährt, sieben Milliarden Passagiere, Tendenz stark steigend, sind die Künstler ja nicht unbedingt diejenigen, die über Fahrpläne, Kajütenverteilung, Speisepläne bestimmen. Sollten sie lediglich die Dekorateure der Planlosigkeit sein? Hier und da ein bisschen Feenstaub hinpusten und hoffen, dass das genügt? Nein, etwas mehr ist schon drin.

    Vielleicht ist es die Rolle des gewieften und ästhetisch wachen Maschinisten, welche dem Künstler, der Künstlerin heute zukommt. 

    Ein bescheidener, aber wirkungsvoll agierender Hausmeister und Sachwalter des Schönen "an sich", ein Sachwalter, der – wie die Heinzelmännchen zu Köln – ein schauderhaftes Bild über Nacht in aller Diskretion weghängt, über Bord pfeffert und ein gutes Gemälde an die Stelle placiert, ein Maschinist, der nachts den Plattenschrank durchgeht, wenn niemand hinschaut, und den musikalischen Mist gegen etwas Grieg, Coltrane, Miles Davis, Bill Evans, Bach austauscht. Ein neuer Typus von Künstler, der vielleicht nicht die ganze Welt rettet, aber den Laden ästhetisch zusammenhält. So schwer ist es nicht. Etwas frische Farbe hier und da, ein paar wahrhaftig gute Bilder dort und hier, die Bordmusiker wecken, zusammentrommeln und ihnen ein paar inspirierende Vorschläge machen. Eine Collage im Salon. Eine Theateraufführung auf dem Achterdeck. 

    Das alles und zusammengenommen, es wäre schon sehr viel: die Stellenbeschreibung oder das Selbstverständnis für einen Künstler, eine Künstlerin fernab des Marktschreiertums und des Geniekults, weniger Picasso, mehr Morandi oder Giacometti, ein Künstler, der das Seine tut, nicht mehr, nicht weniger. Das ist unser Ansatz. Wem es zusagt oder gefällt, wer mitmacht oder uns hilft, sei uns willkommen! 

    Claudia Spielmann, Ralf Hoppe